Wildfütterung in Theorie und Praxis

Auszug
Der Mensch als grosser Manipulator der Natur meint, mittels einer künstlichen Winterfütterung für Reh und Rothirsch die Defizite der Kulturlandschaft wettmachen zu können. Denn als Konsequenz seines Wirkens sind die natürlichen, selbstgewählten Wintereinstände dieser Wildarten heute durch Siedlungen, Verkehrswege und Wintertourismus stark eingeengt, die laubholzreichen Talauen als Wintereinstände aber weitgehend verloren. Die Folgen für Reh und Rothirsch sind hinlänglich bekannt: massive Störungen, Stress, unnatürlicher Tagesrhythmus, Nahrungskonkurrenz bis hin zum Verenden entkräfteter Tiere. Mit der Wildfütterung möchte der Mensch den winterlichen Nahrungsengpass erweitern und einzelne Wildtiere oder ganze Bestände in guter Kondition durch den Winter bringen. Gleichzeitig hofft man, dadurch Schäden am Wald zu vermeiden und Wildbestände in ihrer Verteilung zu lenken. In grossen Teilen des Alpenraumes haben sich diesbezüglich Hegetraditionen entwickelt, welche nun immer mehr - auch von den Hegern selbst - hinterfragt werden. Der vorliegende Artikel befasst sich mit den Voraussetzungen für eine fachgerechte Wildfütterung, die auch dem Wald und seinen Funktionen Rechnung trüge, und zeigt an Beispielen aus dem Engadin auf, dass weniger manchmal mehr sein kann.



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